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Removed Comment >Über Wasser musste sich lange niemand Gedanken machen – es fließt, wenn man den Hahn aufdreht, Blumen gießt oder das Auto wäscht. Die vergangenen Dürrejahre, zu denen auch 2022 zählt, haben diese Selbstverständlichkeit beendet. Niedrige Pegelstände der Flüsse im Sommer bremsen die Wirtschaft, Entnahmeverbote für Oberflächengewässer bremsen die Landwirtschaft und der dringende Appell, den Rasen nicht mehr zu sprengen, bremste regional die Hobbygärtner. > >Die Zeiten, in denen immer genug Wasser da war, sind vorbei. Auch in Deutschland wird die Ressource knapper: In einzelnen Regionen hat der Klimawandel schon jetzt zu einem Wasserproblem geführt. Die Diskussion, wer in Zukunft wie viel Wasser nutzen kann, ist längst im Gange. > >Nächstes Jahr soll die nationale Wasserstrategie des Bundesumweltministeriums verabschiedet werden. Sie setzt sich zum Ziel, bis 2050 für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser zu sorgen. "Wir müssen das Thema jetzt angehen", sagt Martina Flörke, Inhaberin des Lehrstuhls für Ingenieurhydrologie und Wasserwirtschaft an der Universität Bochum. "Denn wir haben eine Ressource und verschiedene Akteure, die sie verlangen." Und es ist gar nicht klar, wer aktuell wie viel Wasser benötigt. Die aktuellsten Daten sind von 2019 und sie werden nur alle drei Jahre erhoben. Für dieses Jahr wird erst im Herbst 2024 mit Zahlen gerechnet. Welche Bereiche bisher Wasser verbraucht haben, zeigen bedingt die historischen Daten. Industrie und Landwirtschaft haben zwar eine Meldepflicht über ihren Wasserverbrauch, kontrolliert wird dieser aber nicht immer. Fast die Hälfte des Wassers für die Energieversorgung > >Insgesamt wurden 2019 laut des Statistischen Bundesamts 20,7 Milliarden Kubikmeter Wasser aus den Grund- und Oberflächengewässern entnommen – das entspricht etwas weniger als der Hälfte des Wasserinhalts des Bodensees. > >Unter Grundwasser wird alles Wasser unterhalb der Erdoberfläche verstanden, das durch das Versickern von Niederschlägen entsteht. Wenn es regnet, schneit oder hagelt, rinnt ein Teil des Wassers durch den Boden und durch die einzelnen Gesteinsschichten bis in die Grundwasserleiter. Mit Oberflächengewässer sind hingegen alle Gewässer gemeint, die sich an der Erdoberfläche befinden, wie beispielsweise Flüsse, Seen oder Kanäle. > >Der größte Teil des Wassers fließt in den industriellen Bereich, also an den Bergbau, das verarbeitende Gewerbe und die Energieversorgung. Letztere verbrauchte am meisten Wasser und machte 2019 einen Anteil von 42,6 Prozent aus. Energieversorger entnehmen dafür das Wasser fast vollständig aus eigenen Gewinnungsanlagen aus Flüssen oder Seen. Das entnommene Wasser wird vor allem zum Kühlen der Kraftwerke eingesetzt. Anschließend wird das Wasser in den Fluss zurückgeleitet, jedoch nicht in der gleichen Menge. Denn ein geringer Anteil des Wassers verdunstet. > >Gut ein Viertel verbraucht die öffentliche Wasserversorgung, die fast ganz Deutschland mit Trinkwasser versorgt. Mit 2,1 Prozent entnimmt die Landwirtschaft für die Bewässerung aktuell eher einen geringen Teil – noch, denn die Fläche der Felder, die bewässert werden, steigt seit Jahren an. Auch die Wasserentnahme ist zwischen 2016 und 2019 leicht gestiegen, allerdings werden nur große Betriebe in der Statistik erfasst. Im Gegensatz dazu hat der Verbrauch der Energieversorger, wie auch der anderer Industriesektoren, fast stetig seit 1991 abgenommen. > >"In den vergangenen 20 Jahren ist im industriellen Bereich bereits viel passiert", sagt Ralf Minke, Leiter des Arbeitsbereichs Wassergütewirtschaft und Wasserversorgung am Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft an der Universität Stuttgart. "Firmen haben zum Beispiel Wasserspartechnologien und Wasserrecyclingsysteme eingeführt. Beispielsweise in der Textilveredlungsindustrie, die eine sehr wasserintensive Industrie ist, wurden die Einsparungen in vielen Bereichen so weit ausgereizt, wie es technisch möglich ist. Aber in vielen Branchen ist sicher auch noch Luft." > >Für viele Firmen lohne es sich nicht, in wassersparende Technologien zu investieren, solange der Wasserpreis so niedrig sei, sagt Minke. Er sieht zwei Lösungen: "Zum einen müsste der Wasserpreis erhöht werden, um mehr Anreiz für Investitionen zu schaffen. Zum anderen müsste in vielen Fällen die Entnahme aus Grund- und Oberflächengewässern stärker limitiert und strenger kontrolliert werden." Der Klimawandel beeinflusst die Grundwasserspiegel > >Die Menge an Wasser, die wir täglich zum Zähneputzen, Duschen oder Kaffeekochen verwenden, ist in den vergangenen 20 Jahren fast gleich geblieben – etwa 128 Liter pro Person am Tag. Dieser Verbrauch fällt in den Bereich der öffentlichen Wasserversorgung und umfasst nicht nur Privathaushalte, sondern ebenso beispielsweise Arztpraxen, Bäckereien und Metzgereien. Im Gegensatz zur Industrie, die ihr Wasser vor allem aus Flüssen entnimmt, greift die öffentliche Wasserversorgung nur zu einem geringen Teil auf Oberflächengewässer zu. Den größten Teil, etwa 70 Prozent, bezieht die öffentliche Wasserversorgung aus dem Grund- und Quellwasser. > >Wie es dem Grundwasser geht, ist also für die Trinkwasserversorgung entscheidend. Trockene Sommermonate, eine hohe Verdunstung und zunehmender Starkregen, der kaum versickert, führen regional jedoch dazu, dass der Grundwasserspiegel sinkt. Bereits das Absinken um wenige Zentimeter kann weitreichende Folgen haben: Je nach Region können zehn Zentimeter für Pflanzen überlebenswichtig sein, da sie sonst mit ihren Wurzeln nicht mehr ans Wasser gelangen. Auch die Trinkwasserversorgung wird erschwert, da weniger Wasser zur Verfügung steht. Besonders sichtbar wird dies laut den Wissenschaftlerinnen und Forschern in Nord- und Ostdeutschland werden, wo bereits in den vergangenen Jahren die Wasserverfügbarkeit im Boden abgenommen hat. Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, wird der Klimawandel diese Entwicklung verschärfen (Nature Communications: Wunsch et al., 2022). > ># Jeder sollte Wasser sparen >Auch in privaten Haushalten sieht Ralf Minke noch großes Potenzial, Trinkwasser einzusparen. Beispielsweise sollten wassersparende Armaturen konsequenter eingesetzt werden. Während längst viele Menschen Strom sparen, scheint es beim Wasser an der Dringlichkeit zu fehlen. Darüber hinaus sei es beispielsweise sinnvoll, Regenwasser zu speichern und für die Gartenbewässerung und Toilettenspülung zu nutzen. > >Doch nicht nur die Verbraucherseite könnte laut Ralf Minke dazu beitragen, Wasser effizienter zu nutzen, sondern auch die Wasserversorgungsunternehmen. So bieten derzeit viele ausschließlich Trinkwasser an, obwohl es Bereiche gibt, in denen derart reines Wasser gar nicht nötig wäre. "Insbesondere in Gebieten, in denen größere Kunden vorhanden sind, die einen hohen Bedarf an Brauchwasser geringerer Qualität haben, sollten sich Wasserversorgungsunternehmen deshalb nicht nur als Trinkwasserversorgungsunternehmen verstehen, sondern als Trink- und Brauchwasserversorger." Gerade die Industrie und Landwirtschaft könnten zum Teil auf Brauchwasser umsteigen, so wie es bereits in kleinem Maßstab im Umkreis Braunschweig umgesetzt wird. Bessere Datengrundlage schaffen > >Die Experten sind sich einig: Um Wasser zu sparen, sind alle gefragt. "Wir müssen verstehen, dass Wasser seinen Preis hat und eine Dienstleistung der Natur ist", sagt Martina Flörke. Doch Sparen alleine reiche nicht: "Wir brauchen eine Strategie, wie wir das Wasser in der Zukunft verteilen." Die nationale Wasserstrategie der Bundesregierung sowie die Wasserversorgungskonzepte einzelner Bundesländer sind ein Anfang. "Doch um mit der Ressource besser umgehen zu können, brauchen wir zunächst Zahlen auf den Tisch", sagt Flörke. Erst wenn wir wissen, wie viel Wasser gebraucht wird, können wir die Ressource entsprechend verteilen. Denn aktuell ist nicht einmal klar, wer überhaupt noch Wasser bekommt, wenn es künftig rationiert werden müsste. by @nachtigall@feddit.de reason: Paywall Content
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